Chronik 1921 bis heute

von Peter Schug und Harald Sebastian

Die Bergmannskapelle

Die Entstehung des Blasorchesters Westerwald hat seinen Ursprung im Jahr 1921 und ist in erster Linie zwei Männern zu verdanken. Diese waren zum einen der musikalisch sehr begabte Georg Fischer und der langjährige Vorsitzende Johann Rübsamen. Beide waren zu der Zeit Bergmänner in der Grube Silberwiese.

Die Idee, eine Blasmusik zu gründen, stammte von Georg Fischer und stieß bei seinen Bergmannskollegen über und unter Tage auf rege Zustimmung. Zusammen mit Johann Rübsamen, dem in erster Linie die Organisation, dass heißt, das Verhandeln mit der Werksführung oblag, stellte man in kurzer Zeit eine Blaskapelle zusammen.

Die ganze Sache wäre wahrscheinlich an den finanziellen Möglichkeiten der Bergarbeiter gescheitert, wenn die Werksführung nicht so viel Verständnis gezeigt hätte und außer dem Bereitstellen der Instrumente auch noch die Probe während der Dienstzeit ermöglicht hätte.

In der ersten Zeit fanden die Proben in der Wohnung des musikalischen Leiters Georg Fischer statt. Zu Beginn waren eine Menge Kollegen zur Stelle, die gewisse Vorteile darin sahen, bei diesem Vorhaben mitzumachen, denn die Proben waren ja während der Arbeitszeit. Jedoch fand nach kurzer Zeit eine Auslese statt, nach der ein harter Kern übrig blieb.

Leider sind alle Musikanten aus dieser Zeit verstorben, jedoch denken die älteren Mitglieder unter uns gerne an die gemeinsamen Jahre mit Ihnen zurück.

Die Bergkapelle sah ihre Aufgabe darin, Feierlichkeiten der Grube Silberwiese musikalisch zu verschönern, Kameradschaft zu pflegen und bei sämtlichen kirchlichen Anlässen in Oberlahr und darüber hinaus im weiteren Wiedbachtal mitzuwirken.

Mit der Werksführung der Grube Silberwiese gab es eine Regelung, dass 10% des Reinerlöses jeder Veranstaltung abzugeben sei. Da aber Musiker bekanntlich mit trockener Zunge bzw. Lippe nicht blasen können, kam das Werk immer etwas zu kurz.

Durch die Stilllegung der Grube und die Wirren des Krieges kam der Spielbetrieb 1941 zum erliegen.

Der Neuaufbau

Im Jahr 1952 vollzog sich ein Neuaufbau, der das Orchester in kurzer Zeit auf 52 Personen anwachsen ließ. Wie kam es dazu?

Johann Rübsamen, der direkt bei der Kirche wohnte, erhielt zur damaligen Zeit jeden Morgen Besuch vom Oberlahrer Küster Peter Becker. Dieser nahm sich zwischen dem Glockenläuten immer Zeit für eine Tasse Kaffee bei Rübsamens. Bei diesen Gesprächen kamen die beiden auf die Idee, die Bergkapelle wieder ins Leben zu rufen und mit jungen Leuten zu verstärken. Da Johann Rübsamen zu dieser Zeit auch Bürgermeister von Oberlahr war, schickte er den damaligen Dorfdiener "Siegels Karl" mit der Schelle durch den Ort und ließ ausrufen, dass sich Interessenten an einem bestimmten Termin in der Schule einfinden mögen.

Es kamen so viele Leute zusammen dass ein ganzer LKW Instrumente gekauft werden musste. Was nun in der nächsten Zeit in Oberlahr los war, kann man sich vorstellen. Für viele dieser Personen war es der erste Kontakt überhaupt mit einem Musikinstrument.

Zu dieser Zeit war es nicht möglich Musikunterricht zu bekommen. Es geschah alles in eigener Regie. Georg Fischer, der damalige Dirigent, schaffte es trotz allen Schwierigkeiten, aus jungen Anfängern ein funktionierendes Orchester auf die Beine zu stellen.

Aus Altersgründen konnte Georg Fischer nur einige Jahre den Dirigentenstab führen. Er gab ihn dann an seinen Sohn Josef Fischer ab, der darauf hin seine verwandtschaftlichen Beziehungen nutzte und Franz Linden als neuen Orchesterleiter gewinnen konnte.

Franz Linden

Die Zusammenarbeit mit Franz Linden war sehr erfolgreich und dauerte 16 Jahre. Unterstützt wurde Franz Linden von einem langjährigen Mitglied und Freund des Orchesters Willi Holzapfel aus Flammersfeld. Er verstand es vorzüglich, die neu hinzukommenden Jugendlichen zu unterrichten und so nach und nach in das Orchester einzubauen. In dieser Zeit wuchs das Orchester musikalisch zu einem Klangkörper heran der weit über die Grenzen des Westerwaldes hinaus bekannt wurde.

Neben einer Vielzahl von musikalischen Auftritten und Verpflichtungen sei nur erwähnt, dass in mehr als 10 Jahren der Kölner Rosenmontagszug von unserem Orchester angeführt wurde.

Eine einschneidende Veränderung im Orchester trat ab dem Jahr 1972 ein. Nun bekamen die jungen Leute, die in das Orchester wollten eine solide Ausbildung. Diese Aufgabe übernahm jahrelang Rudolf Becker, der dies vorzüglich meisterte. Er sorgte nicht nur für eine gute theoretische Grundlage, sondern war auch in der Lage, den Jungen und Mädchen über die anfänglichen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, da er selbst Bläser war.

Kurt Haak

Der Nachfolger von Orchesterleiter Franz Linden wurde Kurt Haak. Er hatte die Gabe, alles was er sich in den Kopf setzte, auch zu realisieren. So wurden zum Beispiel neue Uniformen und eine Bühne, die ständig mittransportiert werden musste, angeschafft.

Es wurde ein neuartiges Programm mit Showeinlagen einstudiert und der Name des Orchesters in "Blasorchester Westerwald Oberlahr" geändert. Aus beruflichen Gründen konnte er im Jahr 1978 das Orchester nicht mehr weiterführen, und so musste ein neuer Dirigent gesucht werden.


Harro Steffen

Zum Glück war es dem damaligen Vorstand gelungen, Harro Steffen als Orchesterleiter zu gewinnen.

Harro Steffen, selbst Komponist und Arrangeur, darüber hinaus lange Jahre Posaunist bei Rias Berlin, schaffte es mit seiner Professionalität, in kürzester Zeit aus dem Orchester eine musikalische Einheit zu formen, mit der es dann auch möglich war, Auftritte im Rundfunk und Fernsehen zu übernehmen. Es ergaben sich Verpflichtungen, wie z.B. der Staatsempfang auf Schloß Gümnich vom chinesischen Ministerpräsidenten Hua Guo Feng.


Bernd Steffen

1991 übergab Harro den Taktstock an seinen Sohn Bernd, der diese Aufgabe mit einer kleinen Unterbrechung bis zum 31.12.2001 hervorragend ausübte.

Der Höhepunkt unter der musikalischen Leitung von Bernd Steffen war die im September 2000 durchgeführte 14tägige Konzertreise durch Nordamerika. In diesen 14 Tagen wurden 6 Konzerte in den unterschiedlichsten Städten gegeben und jede Menge Ausflüge unternommen. So wurde zum Beispiel in New York, in Toronto oder an den Niagara Fällen Halt gemacht. Dies war sicherlich ein einmaliges Erlebnis, an das wir uns gerne zurückerinnern.

An dieser Stelle ist es uns ein Bedürfnis, nochmals der Firma Treif Maschinenbau GmbH zu danken, die diese Konzertreise finanziell unterstützt hat.

Aus gesundheitlichen Gründen hat Bernd Steffen sein Amt als Orchesterleiter zum 01.01.2002 niedergelegt. Er verstarb im Frühjahr 2004. Seit 2002 liegen die musikalischen Geschicke des Vereins bei dessen Nachfolger Günter Seliger.

Ehrenstein


Günter Seliger

Es gelang dem Vorstand als Nachfolger Günter Seliger zu gewinnen, der bis heute die musikalischen Geschicke des Vereins lenkt. Das Repertoire wurde unter seiner Führung auf viele moderne Stücke, Gesangstitel, sowie Musicals ausgeweitet.

Seitdem können wir auch die charmante Sängerin Britta zu unseren Reihen zählen. Aber auch aus den eigenen Reihen wurden immer mehr Solisten (sowohl mit Gesangs- als auch Instumentaltiteln) in das Programm eingebaut. Heute ist das Orchester im Prinzip eine Bigband.

Musikalische Höhepunkte sind die Osterkonzerte, mit denen das Orchester alle zwei Jahre die Saison eröffnet und die neuen Titel im Programm vorstellt. Dafür wird unter anderem auch ein ganzes Wochenende in einer Jugendherberge in der Eifel intensiv geprobt.

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